Leben und Alltag mit Einschränkung

Am Wichtigsten: Ausprobieren!
Nicht direkt vom Gedanken „Ach, das geht mit meinem Arm doch sowieso nicht“ abbringen lassen. Nur weil es nicht mehr auf die herkömmliche Weise möglich ist, heißt das nicht, dass es überhaupt nicht möglich ist. Für (fast) alles gibt es eine Lösung!
Es gibt keine falsche Art, Dinge zu erledigen, solange es für Dich funktioniert. Auch wenn uns das Wort zu den Ohren heraushängt, Unsere Geduld ist hier gefragt. Sich neue Alltagserleichterungen beizubringen erfordert Fingerspitzengefühl und Hartnäckigkeit. Oft stellt sich die erste Idee, nicht als die einfachste, beste oder schnellste Alternative heraus. Scheitern ist leider Teil des Prozesses, dadurch werden wir aber geschickter und können uns eine andere kreative Weise ausdenken. Falls Perfektionismus für Dich zuvor ein Ding gewesen ist, wird die Umstellung Dich einiges an Überwindung kosten (wie in meinem Fall), das Ergebnis ist nicht immer gleich zufriedenstellend oder wird es vielleicht auch nicht mehr perfekt werden. Aber wenn geduldig mit dir bist und dich selbst auch für die kleinsten Fortschritte feierst, steht dir nichts im Wege und du kannst es schaffen. Du bist stärker und einfallsreicher, als Du vielleicht denken magst. Versuche Deinem Körper trotz der Einschränkung so sehr zu vertrauen, dass Du Unbekanntes zulässt! Dein Körper ist jetzt anders, daran gewöhnen wirst du Dich so oder so, mit einer höheren Lebensqualität kannst Du es Dir aber einfacherer machen damit umgehen. In dieser und anderen Communitys gibt es Menschen, die Ähnliches erlebt haben oder anderweitig Expert:innen auf diesem Gebiet sind. Wir sind dazu da, Dich zu unterstützen und zu ermutigen, falls Du vor der Herausforderung Plexuslähmung stehst und mal nicht weiterweißt. Wir helfen uns hier gegenseitig!

Die folgenden Tipps und Tricks sind gesammelte Möglichkeiten den Alltag zu erleichtern, wenn nur ein Arm funktionell eingesetzt werden kann. Da teilweise Verletzungsgefahr besteht, sind die Tipps lediglich eine Empfehlung und sollten jeweils nach eigenem oder bevollmächtigtem Ermessen angewendet werden. Nicht alles ist für jede Person geeignet, je Betroffenem/r ergeben sich sehr individuelle Möglichkeiten. Bei Unsicherheiten sollte die Aufgabe erst vereinfacht ausprobiert werden, z.B. beim Kochen nicht direkt die Herdplatte anschalten, damit Du Dich nicht verbrennst und probiere aus, wie und ob Nudeln abgegossen werden können.
Die hier bereitgestellten Informationen stammen von Einzelpersonen und spiegeln nicht die Ansichten eines Komitees etc. wider. Wir sind keine Ärzt:innen, und es sollte IMMER der Rat von medizinischen Spezialist:innen eingeholt werden, wenn eine Brachialplexusverletzung vermutet wird oder diagnostiziert wurde. 

Zuletzt ist noch zu sagen: Immer die Augen offenhalten und sich im Alltag nach praktischen Helfern umschauen, habe keine Scheu davor Dinge zu Zweck entfremden! Im Folgenden sind nun verschiedene Themenbereiche des alltäglichen Lebens aufgelistet, zu denen ihr vielleicht einige praktische Hinweise findet:

 

 

Prävention

Durch die veränderte Körperphysiologie verändert sich die Muskelverteilung im Körper. Dies bringt Vor- und Nachteile für das alltägliche Leben mit sich, wobei die Nachteile mit der Zeit immer mehr ins Gewicht fallen. Wenn der Körper z.B. ausschließlich einseitig belastet wird, kann dies zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen. Wie z.B einem frühen Bandscheibenvorfall durch eine jahrelange Fehlbelastung von nur einer Seite der Wirbelsäule. 

  • Wenn möglich sollten Rucksäcke auf beiden Schulter mit möglichst gleicher Gewichtsbelastung getragen werden, damit der Körper trotzdem möglichst seitengleich belastet wird, um Fehlhaltungen zu minimieren.
  • Lieber mehrmals laufen, um eine Überlastung der dominanten Seite zu vermeiden.
  • Übungen für Zuhause: Dadurch dass die Muskulatur auf einer Seite weniger belastet wird, sollte auf andere Weise versucht werden, dies auszugleichen. Am besten mit Physio- oder Ergotherapeut:innen über die Eigentherapie sprechen und zusammen geeignete Fitnessübungen erarbeiten, die den Körper langfristig am besten helfen können und welche Übungen möglich sind. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Übungen mit Hilfsmitteln, mit dem eigenen Körpergewicht oder auch mit angepassten Sportgeräten.

Kochen und Essen

Mir persönlich war es wichtig wieder selbstständig und möglichst ohne Einschränkung bei der Wahl der Lebensmittel, kochen zu können. Gerade in der Küche sollte mit mindestens der doppelten Zubereitungszeit gerechnet werden. Vieles dauert auch nicht unbedingt länger, aber vorallem wenn sich das erste Mal an ein Rezept gewagt wird, sollte mehr Zeit einkalkuliert werden. Geduld und Übung macht auch hier den Meister, allerdings liegt die Frustationsgrenze deutlich tiefer und sollte berücksichtigt werden.

Zum Glück gibt es in der Küche viele Hilfsmittel, die Erleichterung versprechen. Allerdings hat sich gezeigt, dass es manchmal besser ist, den Umgang mit nicht angepassten Werkzeugen zu erlernen. Das Erlernen mit angepassten Hilfsmitteln umzugehen, ist nicht unbedingt leichter, aber man ist angewiesen auf die Anpassung, worauf nicht immer zugegriffen werden kann. Es ist also sehr individuell mit welcher Technik man besser umgehen kann. Hier ist außerdem Vorsicht geboten, da in der Küche sowieso ein höheres Verletzungsrisiko gilt. Achtung mit Messern und vorallem bei Hitze! Verbrennungen können noch mehr einschränken als ohnehin schon (beruht auf persönlicher Erfahrung). Eventuell mit dem Umgang von Töpfen etc. vertraut machen, bevor gekocht wird. 

  • Grundlegendes: Mit einfachen Rezepten beginnen, organisieren der Küche, dass alles leicht erreichbar ist, es gibt Hilfsmittel wie rutschfeste Schneidebretter und Einhand-Dosenöffner.
  • Wenn vorhanden, können entsprechende Küchengeräten verwendet werden, ansonsten können z.B. Schüsseln mit rutschfesten Matten am Verrutschen gehindert werden. Utensilien können auch mit speziellen Griffe versehen sein oder es können Halterungen angebracht werden. Bestimmte Gegenstände könnten auch auf Dauer befestigt werden (bspw. verschraubt/festgeklebt werden).
  • Große scharfe Messer: Mit großen scharfen Küchenmessern, dessen Klingen breiter als der Griff sind, schneidet es sich leichter. Mit ein bisschen Übung und verschiedenen Techniken gelingt es selbst feineres zu schneiden. Es gibt gute Möglichkeiten die Messer mit entsprechenden Schleifsteinen scharf zu halten, die auch mit einer Hand bedienbar sind. Persönlicher Tipp beim Schneiden von Gemüse: erst aufpieksen, dann halb durchschneiden, umdrehen und die andere Seite zerschneiden.
  • Beim Umrühren von festeren Gerichten ein Geschirrtuch oder anderweitigen Hitzeschutz zwischen Körper und Griff des Topfes bringen. Der Griff stoppt am geschützten Körper und verhindert, dass der Topf sich weiterdreht.
  • Beim Essen können Hilfsmittel wie Antirutschmatten und angepasstes Besteck hilfreich sein. Außer Rindfleisch kann tatsächlich jedes Fleisch mehr oder weniger gut geschnitten werden, selbst im unverarbeiteten Zustand (je sehniger desto schwerer, deswegen ist es tatsächlich hilfreich hochwertiges Fleisch zu kaufen).
  • Auch beim Essen gilt: erst aufpieksen und dann schneiden: Wenn mit dem Messer erst eine Schwachstelle in dem zu schneidendem Objekt erzeugt wird, kann selbst mit stumpfen Buttermessern vieles ohne größeren Kraftaufwand zerkleinert werden.
  • Wippmesser können ebensfalls beim Schneiden während der Zubereitung oder dem Verzehr helfen.
  • Frittierkorb/Metallkorb: zum kochen von Nudeln oder Gemüse etc. kann eine Metallkorb in das Wasser gesetzt werden, bevor das zu kochende zugebeben wird. Wenn die Zubereitung fertig ist, können die Nudeln etc. einfach mit dem Metallkorb us dem kochenden Wasser entfernt werden, ohne mit dem Topf hantierten zu müssen.

Kleidung und Aussehen

Kleidungsstücke sind auch ohne Einschränkung sehr individuell, die in unserem Fall ebenfalls berücksichtigt werden möchten, damit sich wohlgefühlt werden kann. Manche Betroffene wollen nicht auf rein funktionelle Kleidung zurückgreifen - meist aus ästhetischen Gründen. Jetzt kommt es auf die Geschicklichkeit, Geduld und Restfunktion an. 

  • Beim Kauf von Klamotten und Schuhen auf subjektive Vorlieben achten, es wird sich zwangsläufig ein neuer Klamottenstil ergeben, der die neue Situation mit einbezieht. Probiere Dich aus, vielleicht entdeckst Du sogar einen ganz neuen Stil für dich, also tobe Dich aus und sei mutig!
  • Adaptive Kleidung: Kleidungsstücke mit Klett- oder Reißverschlüssen anstelle von Knöpfen.
  • Anziehhilfen oder Schuhlöffel mit langen Griffen.
  • Schuhe: Die Einhand-Schleife (one-handed knot) ist eine Methode um Schuhe mit einer Hand binden zu können, hiermit ist es möglich auch Schuhe zum Schnürren tragen zu können. Es gibt auch die Möglichkeit auf Klettschuhe bzw. Schuhe mit vereinfachtem Verschlussmechanismus zurückzugreifen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin die normalen Schnürsenkel gegen elastische auszutauschen, dass nur in den Schuh geschlüpft werden muss.
  •  Anziehen: Der beste Tipp hier: Mit der betroffenen Seite beginnen. Entweder die Innenseite der Ärmelöffnung für den betroffenen Arm aufhalten und hinein schlüpfen. Oder auch alternativ von der Außenseite des Ärmels mit der nicht betroffenen Seite durch den Ärmel die betroffene Hand greifen und durch den Ärmel führen (zu empfehlen bei T-Shirt etc. mit kurzen Ärmeln).
  • BHs schließen: Hier ergibt sich ein Problem, dass nicht jeden betrifft, aber dennoch sehr wichtig ist, da es für viele Personen keine Option ist, ohne BH vor die Tür zu gehen. Es gibt die Möglichkeit auf BHs umzusteigen, die sich vorne zwischen den Cups verschließen lassen. Oder man verschließt den hintenschließenden BH vorne und dreht ihn im Anschluss um 180° um den Oberkörper und klappt die Cups dann nach oben, während man erst den betroffenen Arm durch den BH-Träger führt. 
  • Entkleiden durch Griff in den Nacken: Am Einfachsten ein Oberteil auszuziehen ist es, indem das Kleidungsstück am Kragen im Nacken gegriffen und über den Kopf gezogen wird. So entkommt man selbst engen Kleidungsstücken alleine ohne Hilfe.
  • Haare zusammenbinden: Hier gibt es verschiedene Techniken, die beste für mich persönlich ist die Methode zuerst die Haare im Gesamten zu greifen und so lange in eine Richtung zu drehen, bis sich ein Dutt formt, dieser wird dann gegen eine Fläche z.B. eine Wand/ein Kissen gedrückt (je weicher die Fläche, desto einfacherer, da der Dutt dann nicht so leicht wegrutscht). Gegen die Fläche gedrückt hält der Dutt und die Haare können nun mit einem Zopfgummi fixiert werden. Auf diese Art war es mir auch möglich verschiedene Frisuren auzuprobieren.

Hygiene

Es mag kein offensichtliches Problem sein, aber wie wasche ich bspw. meinen nicht-betroffenen Arm, wenn die betroffene Seite dazu nicht in der Lage ist? Betroffene werden mit derartigen Probleme meist erst konfrontiert, wenn es soweit ist und müssen sich selbst eine Lösung einfallen lassen. Es ist ein sehr intimes Thema ist, das aber ebenso individuell ist und deswegen thematisiert werden muss. 

  • Bei Gang-/Standunsicherheit: rutschfeste Unterlagen oder Duschstuhl, um das Gleichgewicht zu halten und das Risiko von Stürzen zu verringern.
  • Shampoo und Seifen in Spenderflaschen mit Pumpen, um sie mit einer Hand leichter verwenden zu können. Oder die gewünschte Menge Shampoo z.B. in einen Eierbecher oder einen anderen geeigneten Behälter abgemessen, das Handling mit einer Shampooflasche kann Zeit und Nerven kosten und verschwendet Shampoo.
  • Verwenden einer Duschbürste mit möglichst langem Griff und abnehmbaren Bürstenkopf, um den Rücken und die nicht-betroffene Seite zu erreichen. Dazu die Bürste z.B. zwischen die Beine klemmen. Als Erweiterung hierzu wäre es denkbar eine Bürste bzw. Bürstenmatte an die Wand der Dusche zu befestigen, um so z.B. den Rücken noch leichter zu erreichen.
  • Zum Hände waschen gibt es eine Bürste mit Saugnäpfen, die auch bei hartnäckigen Verschmutzungen bei der Reinigung der nicht-betroffenen Hand hilft.
  • Die Fingernägel können mit entsprechenden Nagelpflegesets gereinigt und gekürzt werden. Das Hilfsmittel zur Reinigung zwischen die Beine klemmen. Zum Kürzen gibt es gibt es mehrere Optionen, die für den einhändigen Betrieb geeignet sind.

Haushaltsorganisation

Der Einkauf erledigt sich natürlich leider immer noch nicht von selbst und die Wohnung benötigt auch die wohl bekannte Aufmerksamkeit. Alles abgeben kann und will man schließlich auch nicht, deswegen hier ein paar Punkte, auf die wir gestoßen sind. Bei einigen Aufgaben ist voller Körpereinsatz gefragt, beispielsweise beim Beziehen der Betten. Die lästigen Haushaltsaufgaben werden nicht leichter mit einer Hand, deswegen gilt insbesondere hier, alles was irgendwie hilft, wird verwendet. 

  • Schreiben einer Einkaufsliste (reduziert IMMER Stress)
  • Zögert nicht euch einen Behindertenausweis ausstellen zu lassen, der euch ermöglicht auf den Behindertenparkplatz zu parken: Der Weg zum Auto kann ganz schon lange werden, wenn man alles nur mit einer Hand tragen kann, den Versuch es zu beantragen ist es definitiv wert.
  • Der stressigste Moment ist das Einpacken an der Kasse, mein persönlicher Tipp: auch bei wenigen Artikeln einen Einkaufswagen nutzen, das erspart Zeit und vermeidet Stress, nach dem Bezahlen kann dann der Einkauf zurück in den Wagen geräumt werden und nicht an der Kasse ohne Zeitdruck in eine Tasche eingepackt werden.
  • Räume/Gegenstände so organisieren, dass häufig verwendete Gegenstände leicht zugänglich sind.
  • Praktische Werkzeuge: z.B. mit langen Griffen oder Teleskopstangen, um das Erreichen von schwer zugänglichen Stellen zu erleichtern.
  • In kleinen Abschnitten arbeiten, um Überanstrengung zu vermeiden. Nicht zu viel in zu kurzer Zeit vornehmen!
  • Routine: Je häufiger etwas gemacht wird, desto mehr fallen Dinge und Handgriffe auf, die das Leben erleichtern und die Erledigung beschleunigen können.
  • Für den Abwasch gibt es ein paar Hilfsmittel, allerdings sollte langfristig überlegt werden, eine Spülmaschine anzuschaffen. Der händische Abwasch wird auch mit Hilfsmittel sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Und es verursacht außerdem recht viel Lärm und Kratzer im Spülbecken.

Auto/Motorrad fahren

Für Viele bedeutet die Möglichkeit wieder fahren zu können, ein riesen Stück ihrer Selbstständigkeit und somit ihrer Lebensqualität zurück zu erhalten. Nicht nur um den Alltag zu erleichtern, damit z.B. auch alleine Getränke eingekauft werden können, auch auf das persönliche Wohlbefinden kann dies einen großen Einfluss nehmen.

  • Spezielle Anpassungen/Umbauten für Autos/Motorräder, die das einarmige Fahren ermöglichen. Beim Auto können z.B. Lenkradknöpfe für einfacheres Lenken, Automatikgetriebe oder Handbediengeräte für Gas und Bremse beim Fahren unterstützen. Beim Motorrad ist es sehr individuell abhängig auf welche Einschränkungen Rücksicht genommen werden muss. Allerdings ist es bspw. mittlerweile sogar möglich, dass Patient:innen mit einer Querschnittsverletzung der Lendenwirbelsäule Motorrad fahren können.
  • Schaut hierzu zum Beispiel auch bei Einarmhelden.de vorbei: https://www.einarmhelden.de/

Büroarbeit

Auch im Büro/bei der Arbeit gibt es einige Möglichkeiten das einhändige Leben zu erleichtern. Da hier recht viel Zeit verbracht wird, ist es auch in Bezug der Prävention wichtig auf einiges zu achten. 

  • Es gibt Hilfsmittel wie Spracherkennungssoftware oder Einhand-Tastaturen, um das Schreiben und Arbeiten am Computer zu erleichtern und zu beschleunigen.
  • Ein Stehpult kann auch eine gute Option sein, da so auf eine bessere und abwechslungsreiche Ergonomie geachtet werden kann.

Hobby und Handwerk

Auch wenn handwerklich Arbeiten mit einer Hand erst einmal wie eine sehr große Herausforderung erscheint, gilt auch hier: Ausprobieren. Vor allem wenn es sich um ein geliebtes Hobby handelt, versucht dieses wieder aufzunehmen. Auch wenn die ersten Ergebnisse nicht der Vorstellung entsprechen, kann einiges mit Zeit und Übung kompensiert werden. Aus Erfahrung kann ich sagen, je länger etwas vor dem Unfall ausgeübt wurde, desto leichter ist es sich anzupassen, man muss sich nur trauen.

  • Im Handwerk gibt es einige Systeme, die einem das Arbeiten erleichtern. Diese Hilfen können abgewandelt auch in anderen Bereichen hilfreich sein. Z.B. gibt es eigentlich zum Löten etwas namens „Dritter Arm“.  Verwenden wir es doch als "zweiten Arm" und können so viele Herausforderungen meistern, bei der eine haltende Hand notwendig ist (https://www.loetstation.info/dritte-hand).       

Sport und Freizeit

Auch hier gilt die Faustregel: Probieren geht über Studieren! Für manche sind einige Sportarten aus verschiedenen Gründen nicht möglich, hier muss also auf die individuelle Symptomatik Rücksicht genommen werden. Langsam, ohne Druck und in Begleitung testen, ob die Sportart ausführbar ist und welche Hilfsmittel dazu vielleicht notwendig sind. Oft hilft auch bereits eine Oberkörperfixierung, die den betroffenen Arm sichert. Manchmal kann ein solches Hilfsmittel auch von der Krankenkasse übernommen werden, wenn man nur fest darauf besteht. 

Außerdem ist eine gute Portion Mut (und Schutzausrüstung) notwendig, seinem Körper dabei wieder zu vertrauen. 

Viele Sportarten und Freizeitaktivitäten sind für einarmige Menschen zugänglich, wenn sie mit der richtigen Ausrüstung, Anpassungen und Techniken angegangen werden. Es gibt auch eine wachsende Gemeinschaft von Menschen, die sich für inklusive Sportarten einsetzen und weitere Möglichkeiten für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten schaffen.

  • Schwimmen: Schwimmen ist eine großartige Sportart für einarmige Menschen. Es trainiert den ganzen Körper und erfordert keine spezielle Ausrüstung. Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder Schwimmgürtel können vor allem zu Beginn zusätzliche Sicherheit bieten. Einige Schwimmbäder, insbesondere solche, die mit Krankenhäusern, Rehabilitationszentren oder Therapieeinrichtungen verbunden sind, bieten auch Möglichkeiten zum Schwimmen für Personen an, die nicht unmittelbar Patient:innen sind, aber bestimmte Bedürfnisse haben. Diese Einrichtungen können spezielle Schwimmzeiten oder -programme für Menschen mit Behinderungen, Verletzungen oder gesundheitlichen Einschränkungen anbieten. 
  • Tennis: Es gibt spezielle Anpassungen um im Zweifel einen Schläger sogar am Arm befestigen zu können. Da Tennis vorwiegend nur mit der dominanten Hand gespielt wird, sollte die Technik anpasst werden.
  • Boccia: Boccia ist bereits eine paralympische Sportart. Es erfordert Präzision und Geschicklichkeit und kann von einarmigen Menschen leicht gespielt werden. Auch bei weiteren Bewegungseinschränkungen gibt es Hilfsmittel wie eine Rampe von der die Kugel aus rollt, anstatt geworfen zu werden.
  • Fahrrad fahren: Mit speziellen Halterungen mit Klettverschluss, die sich bei starken Zugkräften (z.B. bei einem Sturz) von alleine lösen, kann der beeinträchtigte Arm am Fahrradlenker befestigt werden und für eine ausreichende Stabilität des Lenkers beim Fahren sorgen.
  • Inliner fahren: Mit entsprechender Schutzausrüstung und evtl. einer Orthese für eine höhere Schulterstabilität, ist eine nahezu physiologische Ausführung möglich.
  • Außerdem gibt in manchen Sportarten bereits entsprechende Hilfen:
    • Bogenschießen: Der Bogen wird mit einer speziellen Vorrichtung oder Halterung stabilisiert und es gibt auch spezielle einarmige Bögen.
    • Klettern: Es gibt spezielle Klettergriffe und Techniken, die entwickelt wurden, um das Klettern mit nur einer Hand zu erleichtern.
    • Gleitschirm/Paragliding: In meiner Zeit nach meinem Unfall bin ich vielen sehr beeindruckenden Menschen begegnet, unter anderem habe ich von einem Herren erfahren, der nach seinem Motorradunfall mit anschließender Plexuslähmung wieder mit dem Gleitschirm fliegen anfangen wollte. Zusammen mit einer Flugschule hatte er es geschafft eine knifflige Konstruktion zu entwerfen, um die Steuerung seines Gleitschirm möglich zu machen und er konnte am Ende wieder alleine in die Lüfte aufsteigen.
    • Mit etwas Einfallsreichtum und Unterstützung können also sogar selbst Hilfsmittel und Tricks entwickelt werden, um weitere Sportarten oder Aktivitäten (wieder) zu ermöglichen. Hier ist Kreativität und Hartnäckigkeit gefragt!